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Eigentümerwechsel: Weshalb die COVID-19-Pandemie nach einer verstärkten Due Diligence verlangt

Die Ermittlung, Verifizierung und Überwachung der wirtschaftlichen Eigentümer Ihrer Geschäftspartner ist einer der Kernprozesse in der Third Part Due Diligence. War der betriebliche Aufwand für diese Aufgabe ohnehin schon hoch, so verschärfen die wirtschaftlichen Konsequenzen der COVID-19-Pandemie die Massnahmen für Risikominimierung noch weiter. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie durch Automatisierung Ihre Prozesse effizient halten und die potenziellen Risiken für Ihr Unternehmen rechtzeitig aufzeigen können. 

Erkennen, wer Ihre Geschäftspartner kontrolliert
Es ist eine rechtliche Anforderung, zu wissen, welche natürlichen Personen hinter Ihren Geschäftspartnern stecken. Daher gehört zu einem lückenlosen Due Diligence Prozess auch die Identifikation des Ultimate Beneficial Owners (UBO) oder wirtschaftlichen Eigentümers. Der wirtschaftliche Eigentümer wird definiert als natürliche Person, in deren Eigentum oder unter deren Kontrolle ein Unternehmen steht. Ein wirtschaftlicher Eigentümer kann entweder ein direkter Anteilseigner des Unternehmens sein oder eine Beteiligung an einem anderen Unternehmen halten, das Eigentümer des Unternehmens ist. Es wird also nach direkter und indirekter Geschäftsbeteiligung nicht unterschieden. 
 
Für die vollständige Erfüllung der Sorgfaltspflicht gilt es allerdings nicht nur, den UBO beim Onboarding neuer Geschäftspartner zu identifizieren und zu verifizieren, sondern diesen auch in angemessenen Intervallen zu überprüfen. Diese Aufgabe erfordert, wenn sie nicht automatisiert durchgeführt wird, einen immensen Einsatz an Zeit und Ressourcen – und ist in Krisenzeiten wichtiger denn je. 

Wie Kriminelle die Krise als Chance nutzen
Seit Anfang 2020 befindet sich die Weltwirtschaft im Ausnahmezustand. Das gilt nicht nur für legale Geschäfte, sondern auch für Kriminelle. Aufgrund der eingeschränkten Reisemöglichkeiten und zahlreicher Lockdowns wurden gerade im Bereich Geldwäsche neue Möglichkeiten für die Einschleusung von illegal erwirtschafteten Geldern in den legalen Geldfluss gesucht.  Bereits in den frühen Sommermonaten konnten wir bei Bisnode D&B eine exponentielle Steigerung in der Änderung von Unternehmenseigentümern feststellen. Diese Chance für die Übernahme finanziell schwacher Unternehmen ist auch für Kriminelle interessant. Die FATF berichtete in einem Artikel über die Bemühungen des organisierten Verbrechens staatliche Förderungen zu erschleichen. Mitglieder krimineller Organisationen übernehmen die Macht über Unternehmen, die durch die Krise finanziell geschwächt sind und können so unter dem Deckmantel eines legitimen Unternehmens Fördergelder erschleichen – oder eben Gelder aus dunklen Quellen in den legalen Umlauf bringen.  
Wirtschaftliches Eigentum und dessen Volatilität ist also ein brandaktuelles Thema: Es ist essenzieller denn je, zu verstehen, wer hinter einem Unternehmen steht. Gerade hinsichtlich organisierter Kriminalität ist das nicht immer auf den ersten Blick erkenntlich. Je besser Sie aber die gesamte Konzernstruktur und Verflechtungen grenzüberschreitend kennen, desto eher erkennen Sie potenzielle Risiken. Dies ist nicht nur, wie eingangs erwähnt, eine rechtliche Anforderung. Die gewonnene Transparenz Ihrer Geschäftspartner ist auch ein Zeichen von guter Corporate Governance und zahlt in Ihre Corporate Social Responsibility und damit in Ihre Reputation ein. 
Automatisierung hilft Ihnen, die Löwenaufgabe zu bewältigen
Bei der Ermittlung eines UBO stehen Sie vor verschiedenen Herausforderungen: Zum einen ist wirtschaftliches Eigentum ein komplexes Geflecht, das je nach Rechtslage über verschiedene Schwellenwerte definiert wird. Weiters können auch geografische Gegebenheiten die Komplexität noch steigern. Anteilseigner müssen sich nicht in dem Land befinden, in dem das Unternehmen registriert ist – sondern können sich auch in Ländern mit erhöhten Risiken oder undurchsichtige Jurisdiktionen verbergen. Intransparenz in staatlich geführten Registern ist ebenfalls herausfordernd: Nicht immer geben Register die genaue prozentuale Beteiligung einer Person Preis, sondern geben nur eine Beteiligungsspanne (z.B. 1% – 10%) an. 
Automatisierte Prozesse wir das UBO Monitoring von Bisnode D&B unterstützen Sie dabei, die Komplexität in Ihrer Due Diligence zu reduzieren und dabei manuelle Arbeit einzusparen. Bauen Sie Ihr Monitoring in drei Schritten auf: Lassen Sie sich über das System aktiv informieren, dass es eine Veränderung in der Eigentümerstruktur Ihres Geschäftspartners gab. Erkennen Sie, woraus die Veränderung im Einzelnen besteht – wer, wo, was, wann? Abhängig vom risikobasierten Ansatz Ihres Unternehmens setzen Sie dann entsprechende Maßnahmen: Soll der Geschäftspartner neu überprüft werden? Sind durch mögliche erhöhte Risken zusätzliche Freigaben notwendig? Durch automatisiertes Monitoring sparen Sie manuelle Bearbeitungsschritte ein, und prüfen lediglich jene, bei denen sich relevante Änderungen ergeben. Sie erkennen Risiken in den Konzernstrukturen frühzeitig und reduzieren die Komplexität Ihrer Prüfprozesse.  
 
Treffen Sie Christian Kellner, Head of Product Management für Compliance und Master Data bei Bisnode D&B, an der NZCK 2021.
 

[1] Quelle: The Economist, 2020: „The pandemic is creating fresh opportunities for organised crime”
[1] Quelle: FATF, 2020: „COVID-19-related Money Laundering and Terrorist Financing Risks and Policy Responses”